Bildung durch Tennis in Äthiopien

Ich hatte das Glück im Februar nach Äthiopien reisen zu dürfen, hauptsächlich in die Hauptstadt Addis Abeba. An meiner Schule, dem Englischen Institut in Heidelberg, haben wir das Projekt „1 Jahr – 1 Land“, bei dem wir uns in jedem Schuljahr ein Land genauer betrachten, das nicht bereits durch den Bildungsplan abgedeckt ist. Äthiopien war es im Schuljahr 2017/18. Wir haben Vorträge gehabt, Musikstücke aufgeführt und das Land im Unterricht behandelt. Stets wird für ein Projekt aus dem Land Geld über das Schuljahr gesammelt. Insgesamt sind 9500,- Euro zusammen gekommen, die wir dem Projekt Tarike Desta Kids Education through Tennis (#TDKET) Anfang Februar 2018 beim MLP Cup in Nußloch offiziell übergeben haben.

TDKET konnte ich nun in Äthiopien besuchen und mir selbst ein Bild machen. Die beiden äthiopischen Tennisspieler Tariku und Desta haben vor gut 15 Jahren das Projekt gegründet. Sie selbst kamen aus den Slums von Addis Abeba und haben es geschafft erfolgreich Tennis zu spielen. Sie begannen Jahre zuvor im Greek Club als Balljungen, bis sie tatsächlich einmal den Schläger ausprobieren durften. Mit Talent und Zielstrebigkeit wurden sie erfolgreich. Ihr Ziel war dann, auch anderen Kindern diese Chance zu geben. Aus den Armenvierteln sichten sie Jungen und Mädchen, die dann bei Eignung Teil des Projekts werden. Gut 50 sind es zur Zeit zwischen 8 und 18 Jahren. Morgens gehen sie auf einen der beiden Tennisplätze trainieren, danach geht es in die Schule. Anschließend bekommen sie auf der Tennisanlage Essen. Dann ist am Nachmittag wieder Training und Zusatzunterricht angesagt. Zielstrebig sind die Kinder und Jugendlichen, denn sie haben ein großes Ziel: Sie wollen wie der große Jonas im Ausland mit einem Stipendium studieren und damit aus den armen Verhältnissen herauskommen. Sie wissen, dies ist eine einmalige Chance. Auch die Eltern sind mit im Boot. Sie müssen ihren Kindern den Freiraum zum Lernen und Trainieren lassen. Arbeiten für die Familie geht nicht.

Die Tennisanlage mit zwei Plätzen in Addis Abeba 2018.

Das Projekt läuft seit 10 Jahren mit deutscher Unterstützung aus dem Racket Center in Nußloch gut. Bis vor zwei Jahren war auch noch die Manfred Lautenschläger Stiftung involviert. Aber die Zeit der Anschubfinanzierung ist vorbei. Nun ist es an der Zeit, dass äthiopische Geldgeber einen Großteil der Finanzierung übernehmen. Doch ob das klappt, muss sich erst noch zeigen. Auf einem Empfang, der eben für eine solche Übergabe gedacht war, fanden sich tatsächlich einige Unternehmer aus Addis ein, der Saal war gut gefüllt. Einige konnten aufgrund der Unruhen nicht kommen. So ist das in Äthiopien – die politische Ungewissheit macht auch vor guten Projekten nicht Halt. Haile Gebre Selassie, der berühmte äthiopische Läufer, war gekommen und spendete 50000,- …. Birr, also ca. 1600,- Euro, ein andere die doppelte Menge. Nein, das wird nicht reichen. 100.000,- Euro sind pro Jahr notwendig, um den Kindern sechs mal die Woche Training, Essen und Unterricht zu geben. Die Unternehmerin Akiko Seyoum Abame ist nun für ein Jahr Chairwoman im Vorstand des Projekts. Sie möchte durch gute mediale Darstellung und Kommunikation in Addis dem Projekt Unterstützer zuführen. Ein Jahr ist keine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass manches in Äthiopien länger dauert und die Spendenbereitschaft auch nicht sehr hoch ist. Armut gehört zu dem Land, so ist die Einstellung, die man wahrnimmt.

Auch wenn es nur 50 bis 60 Kinder sind, die eine Chance bekommen. Sie haben es verdient. Ihr Wille, ihre Zielstrebigkeit und ihre Disziplin sind beeindruckend. Bezeichnend ist, wie eine reiche Äthiopierin auf dem Empfang sagt, „that these kids are way more disciplined than my own“. Weitere Informationen und die Möglichkeit zu spenden gibt es beim MLP Cup und tdket.org

photos by Andree Körber CC BY-SA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.